«»
 -
Rambler's Top100
@Mail.ru

Muskelspiele

30.08.2012

:

:

Experte Gesalow sieht die russischen Behrden in der Pflicht

Der Publizist Alexander Gesalow hat die ersten 16 Jahre seines Lebens in sowjetischen Kinderheimen verbracht. Alle zwlf Jugendlichen seines Jahrgangs, die wie er 1984 nach dem Schulabschluss dem Heim entwachsen waren und auf eigenen Beinen stehen mussten, sind inzwischen tot. Gesalow selbst bert heute die russische Brgerkammer in Sozialfragen und engagiert sich in Wohlttigkeitsorganisationen wie „Rawnowessije" (Gleichgewicht) fr Waisenkinder. In Krze wird er zum vierten Mal Vater.

Alexander Gesalow ist einer der bekanntesten russischen Kinderschutzexperten. / Wikipedia

Herr Gesalow, ist das russisch-amerikanische Adoptionsabkommen ein Schritt in die richtige Richtung?

Es ist eher ein Versuch, die Muskeln spielen zu lassen, und wiederholt ansonsten, was bereits gngige Praxis war.

Aber bestand nach den Vorfllen in den USA nicht tatschlich Handlungsbedarf?

Das grte Problem ist die Unvollkommenheit unseres eigenen Adoptionssystems. Die Behrden gewhren Adoptiveltern nicht die ntige Untersttzung. Auch deshalb lassen sich viele auf dieses Unterfangen gar nicht erst ein. Neugeborene und Kleinkinder sind noch relativ leicht zu vermitteln. Aber wenn die Kinder einmal das fnfte, sechste Lebensjahr berschritten haben, nimmt die Zahl der Interessenten rapide ab.

Fr Kinder mit angeschlagener Gesundheit, heit es, sind Auslnder berhaupt die einzige Chance.

Wobei viele „kranke" Kinder in Wirklichkeit gesund sind. Damit sind wir wieder bei den Eigenheiten des russischen Sozialwesens. Den Kindern wird eine fiktive Krankheit untergeschoben, weil der Staat der betreffenden Einrichtung dann mehr Geld fr den Unterhalt zahlt. Das bedeutet aber auch, dass der Junge oder das Mdchen zur Geisel dieser Diagnose wird, denn sie erschwert eine Adoption.

Was ist Ihre Erfahrung mit auslndischen Adoptivfamilien?

Ich bin mit beiden Hnden fr Auslandsadoptionen. Whrend von den Kindern hier keiner etwas wissen will, sind sie in ihren neuen Familien so gut aufgehoben, dass man sie gar nicht wiedererkennt - im positiven Sinne. Ich wei, wovon ich spreche, ich habe solche Kinder gesehen.

Manche kommen aber auch vom Regen in die Traufe.

Das sind Einzelflle. Ich halte das Risiko trotzdem fr gerechtfertigt, vor allem, wenn man bedenkt, was bei uns in Russland alles passiert. So ist zum Beispiel die Quote der Kinder, die von Pflegefamilien wieder an Heime zurckgegeben werden, betrchtlich.

Was schlagen Sie vor?

Das gesamte Bemhen muss darauf ausgerichtet sein, Kinder dauerhaft in Familien unterzubringen. Wer Waise bleibt, der bleibt es sein ganzes Leben. Die meisten sind berfordert, wenn sie spter auf sich selbst gestellt sind, und nicht in der Lage, eine Familie zu grnden.

Das Interview fhrte Tino Knzel.

http://www.mdz-moskau.eu/?p=9317

: